Die schönsten Reisen passieren im Kopf!

Für den perfekten Sommer gehören eindeutig tolle Bücher ins Gepäck, ins Regal oder in die Badetasche – am besten gleich mehrere, denn man weiss ja nie, wie viel und wie schnell man lesen kann. Mit unserer Sommerauswahl tauchen Sie in andere Welten, fremde Schauplätze und unbekannte Landschaften ein. Reisen Sie mit uns über Berge, durch Sümpfe und in die Wüste!

Ein Salpeterminendorf in der Atacama-Wüste: Die Filmerzählerin

Hernán Rivera Letelier erzählt in einem knappen, realistischen Stil von María Margarita und ihrem harten Leben in der chilenischen Atacama-Wüste.

Das zehnjährige Mädchen wächst mit einem versehrten Vater und vier Brüdern in einer Salpeterminensiedlung auf. Da sich ihre Familie immer nur einen Kinoeintritt leisten kann, wird María zur Filmerzählerin auserkoren. Sie schaut sich zuerst im Kino den Film an. Dann spielt sie ihn danach zu Hause so überzeugend nach, dass bald das ganze Dorf zu ihren Vorstellungen kommt.

In einem schmalen Büchlein wird eine berührende, melancholische und starke Geschichte über die Kunst der Vorstellungskraft erzählt – für alle, die mit Handgepäck unterwegs sind oder sich eine ruhige Stunde mit Kopfkino wünschen.

Im Buchclub «Die Welt lesen» besprechen wir dieses Buch am Dienstag, 28. und Mittwoch, 29. August 2018. Sie können dabei mitreden!

Italienische Alpen versus nepalesischer Himalaya: Acht Berge

Paolo Cognetti schreibt ohne Sentimentalität und ohne Bergkitsch von einer Männerfreundschaft in den italienischen Alpen.

Pietro verbringt als Kind jeden Sommer in den Bergen, wo er sich mit dem gleichaltrigen Bruno anfreundet und mit ihm durchs Tal und über die Hänge streift. Die tiefe Beziehung hält auch, als die jungen Männer später unterschiedliche Wege einschlagen und in verschiedenen Bergwelten ihr Glück suchen. Während Pietro nach Nepal reist und Dokumentarfilme dreht, versucht sich Bruno als Käser und bleibt im Heimatdorf. Die erwachsenen Freunde bauen gemeinsam eine Berghütte, die bei Pietros Besuchen zum Rückzugsort wird.

Ein grossartiger Roman, der sich wie eine poetische Wanderung in literarischen Höhen liest. Dieses Buch konnten wir nicht aus der Hand legen, und wir verschenken es bei jeder Gelegenheit.

Von Kalkutta nach Rhode Island: Das Tiefland

Jhumpa Lahiri erzählt die tragische Geschichte zweier ungleichen Brüder, die in Kalkutta neben einem Sumpfgebiet aufwachsen – für alle Lesenden eine spannende, poetische Zeitreise nach Indien!

Nachdem der politisch aktive Lieblingssohn Udayan erschossen wurde, heiratet sein pflichtbewusster Bruder Subhash die Witwe seines Bruders und zieht mit ihr von Indien nach Rhode Island in den USA. Ihre Ehe bleibt jedoch freudlos und von gegenseitiger Fremdheit überschattet. Zwar bekommt das Paar eine Tochter namens Bela, aber die kühle, ambitionierte Mutter kann keine Liebe für sie empfinden.

Verschiedene Perspektiven und Erzählfäden werden in schmuckloser, aber feinfühliger Sprache meisterhaft verknüpft. Ein herzzerreissendes Familiendrama, das Kontinente, Kulturen und Generationen umspannt – für alle, die ambivalente Figuren mögen und sich nicht nach konstruierten Happy Ends sehnen.

Über diesen Roman sprachen wir im Lesezirkel «Wurzeln schlagen» im Aargauer Literaturhaus Lenzburg am Mittwoch, 4. Juli 2018.

Mit Landkarten einmal um den Globus: Die Macht der Geographie

Bestsellern gegenüber sind wir normalerweise kritisch eingestellt, aber bei diesem Buch machen wir gerne eine Ausnahme. Der Journalist Tim Marshall erklärt, wie Geografie und Politik zusammenhängen. Anhand von zehn Karten, die rund um die Erde führen, skizziert er die Bedeutung der geografischen Lage eines Landes für Krisen und Kriege.

In einfacher Ausdrucksweise erklärt der Autor beispielsweise das jahrhundertealte Problem Russlands: Die Häfen frieren im Winter lange zu und die flache Tiefebene in Nordeuropa erlaubt barrierefreie feindliche Angriffe. Oder er skizziert die überwiegende Küstenbesiedelung Südamerikas anhand dessen einzigartiger Geografie.

Während Nationalstaaten, Regierungen und Grenzen sich wandeln, bleiben die geografischen Faktoren der Flüsse, Meere und Gebirge bestehen – und stellen Menschen immer wieder vor die gleichen Schwierigkeiten. Wir empfehlen dieses Buch allen, die eine neue Sicht auf aktuelle politische Konflikte gewinnen möchten.

Für Sie geschrieben von Seraina Walser, Praktikatin bei Literaturecho.

Welche Bücher lesen Sie diesen Sommer? Schreiben Sie uns Ihre Lieblingstitel in die Kommentare! Wir freuen uns auf Ihre Tipps!

Ein Gedanke zu „Die schönsten Reisen passieren im Kopf!

  1. Katrin Niclauß sagt:

    Liebe Lydia,
    danke für diese schönen Tipps! Ich hoffe, wir können uns in Klitmöller über Bücher austauschen.
    Einen tollen Sommertipp habe ich: „Lady Africa“ von Paula McLain! Dieses Buch konnte ich nicht aus der Hand legen!
    GLG
    Katrin

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