Ich dachte immer, ein Buch zu machen sei die Königsdisziplin

Interview

Nicole Giger schreibt seit 2014 auf ihrem Blog Mags Frisch über ihre Passion für die Literatur und das Kulinarische und wie Bücher, Kochen und Essen zusammen kommen. Im Herbst 2019 ist ihr erstes Rezeptbuch erschienen. Von der Literatur inspiriert, schreibt sie gekonnt und lust-machend über ihre literarischen Entdeckungen und stellt dazu passende eigene Rezepte vor.

Wer bist du und was machst du?

Ich bin in Zürich geboren und aufgewachsen. Ich bin eine Nachteule, liebe Negroni trinken, Rucksackreisen und meine Freunde. Ich esse noch lieber als dass ich koche (und ich koche sehr gern!), lese alles – Bücher und Zeitungen – und bin fürs Ausschlafen genauso zu haben wie fürs Nacktbaden und Bergwandern. Ich geh gern ins Theater, bin Feministin und Kürbisliebhaberin. 

Wie ist die Idee zu Deinem Buch entstanden?

Den Blog habe ich seit März 2014. An ein Buch habe ich nicht gedacht, auch wenn Bücher für mich das Tollste sind. Aber eben, ein Buch, ich dachte immer das sei dann die Königsdisziplin – und wird irgendwann, sehr viel später vielleicht mal Thema werden. Dann hat mich wie aus dem Nichts der AT Verlag angeschrieben und gefragt, ob ich bei ihnen ein Buch machen möchte. Da musste ich nicht lange überlegen. So ein Buch machen zu dürfen, eben, das Tollste. Auch bitzeli viel Arbeit natürlich, aber halt doch eine sehr schöne Arbeit. 

Wie entstand der Titel?

Der Titel war tatsächlich eine Zangengeburt. Er sollte irgendwie zeigen, dass es sich nicht um ein gewöhnliches Kochbuch handelt, sondern, dass da noch etwas mehr kommt. Zudem hätte ich gerne ein Wortspiel gehabt – wie Mags Frisch. Auf ein passendes Wortspiel konnten der Verlag und ich uns nicht einigen.

Weil mir Alliterationen, also gleiche Anfangsbuchstaben hintereinander, irrsinnig gut gefallen, haben wir dann da dran rumstudiert. Die Suche nach Autoren und Autorinnen und Gerichten mit gleichem Anfangsbuchstaben war eröffnet – und wollte nicht mehr enden. Wir hatten etliche Varianten – glücklich machte uns lange keine. Irgendwann war’s dann Ferrante, Frisch & Federkohl. Weil man in Deutschland Federkohl aber nicht versteht, wurde dieser noch kurzerhand durch Fenchelkraut ersetzt. Und das ist jetzt der Titel.

Welches Buch hat dich geprägt?

Ein Buch, das mich zweifelsohne sehr geprägt hat, ist Andorra von Max Frisch. Andorra hat mir in meinen Teenie-Jahren die Welt zur Literatur eröffnet. Ich war angetan von den grossen Themen wie Vorurteile und Bildnisse machen, Loyalität und Rassismus. Max Frisch habe ich auch später immer wieder sehr gern gelesen. Auch seine Fragebögen finde ich äusserst unterhaltsam und zugleich geistreich und tiefgründig. Max Frisch als «Paten» für meinen Blog zu haben, gefällt mir nach wie vor.

Wann begeistert dich ein Buch?

Ein gutes Buch ist für mich ein Zusammenspiel aus diesen verschiedenen Aspekten. Wenn Plot, Schreibe, Idee und Umsetzung stimmen, dann kommt’s richtig gut. Besonderes Augenmerk, so würde ich meinen, lege ich wahrscheinlich, bewusst wie auch unbewusst, auf den Schreibstil. Und ja, ich schau auch aufs Cover. Ob das gut ist, weiss ich nicht. 

Wer ist die letzte Autorin, die du für dich entdeckt hast? 

Während unseres Roadtrips durch den Balkan habe ich Das schönste Wort der Welt von Margret Mazzantini gelesen – und geliebt! Wir waren gerade in Sarajevo, und das Buch spielt während der Belagerung von Sarajevo – das ging mir richtig nah. Zudem die Sprache, der Plot, der Humor – bei dem Buch stimmt alles.

Liebe Nicole, ich danke für das inspirierende Interview! Wir lesen sicher wieder von dir – darauf freue ich mich schon jetzt!

Das Buch ist im AT-Verlag in Zürich erschienen. Den Blog mit weiteren Rezeptideen und Hintergründen finden Sie hier.

© Fotos: Nicole Giger © Portrait: Tina Sturzenegger
 

Ein Gedanke zu „Ich dachte immer, ein Buch zu machen sei die Königsdisziplin

  1. Silvia sagt:

    Welch ein wundervolles Buch! Nachdem ich den Echo-Eintrag gelesen habe, musste ich das Buch grad haben. Es ist grossartig geschrieben und wunderschön gestaltet. Danke!

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