Italienisch lesen

Lesetipps: Lieblingsbücher aus Italien

Jetzt geht es wieder aufwärts. Ich spüre es. Der erste Schock ist überwunden – wir arrangieren uns, irgendwie. Wir vertrauen darauf, dass es gut werden wird, irgendwann. Klar, wir haben keine Ahnung, wie’s weiter geht mit Corona – aber es geht für uns weiter. Doch ich habe Sehnsucht – Sehnsucht nach Italien!

2017 habe ich schon einmal meine Langzeit-Lieblinge von italienschen Schriftstellerinnen und Autoren aus meinem Bücherregal verraten. Dieser Beitrag wird häufiger gelesen als alle anderen in diesem Blog. Da wir offenbar die Passion für dieses Land teilen: Hier sind meine «neuen» Lieblingsbücher aus den letzten drei Jahren – für alle, die wie ich gerade (und immer wieder) Sehnsucht nach Italien haben!

Piemont

Die Autorin Raffaella Romagnolo schreibt seit 2007 Romane – mit grossem Erfolg: Ihr Roman Bella Ciao sorgte international für Aufmerksamkeit und erschien in zahlreichen Sprachen.

1946 kommt Mrs. Giulia Masca in einer Limousine mit Chauffeur nach Borgo di Dentro zurück. Fast ein halbes Jahrhundert zuvor hatte sie als Fabrikarbeiterin die piemontesischen Hügel hinter sich gelassen – allein, schwanger und ohne eine Lira –, um in New York ein neues Leben zu beginnen. Während für Giulia der American Dream wahr wurde, machten die Leute in Borgo di Dentro zwei Weltkriege durch, erlebten das Aufkommen des Faschismus und den Befreiungskampf gegen das Regime.

Nach und nach erfährt Giulia, wie es ihrer Freundin Anita Leone und deren Familie ergangen ist und wie ihrem Verlobten, den Giulia damals ohne eine Erklärung zurückgelassen hatte. Zugleich zeichnet die Autorin in ihrem Buch ein Bild über Italien im 20. Jahrhundert. Ich habe es an einem Wochenende gelesen – wie im Rausch.

 

Rom

Kennen Sie Ihren Vater? Wissen Sie, wer er wirklich ist? Kennen Sie seine Vergangenheit? Die 40-jährige Lehrerin Ilaria hätte diese Fragen wohl mit „ja“ beantwortet, und auch ihre Angehörigen glaubte sie zu kennen – bis eines Tages ein junger Afrikaner auf dem Treppenabsatz vor ihrer Wohnung in Rom sitzt und behauptet, mit ihr verwandt zu sein. In seinem Ausweis steht «Attilio Profeti», der Name ihres Vaters … Der aber ist zu alt, um noch Auskunft zu geben.

Hier beginnt Ilarias Entdeckungsreise, von hier aus entfaltet die Autorin Francesca Melandri in ihrem Buch Alle, außer mir eine schier unglaubliche Familiengeschichte über drei Generationen und ein schonungsloses Porträt Italiens.

Das Spannende daran: Sie holt die bisher verdrängte italienische Kolonialgeschichte des 20. Jahrhunderts in die Literatur: Die Verbindungen Italiens nach Äthiopien und Eritrea bis hin zu den gegenwärtigen politischen Konflikten. Das alles verknüpft Melandri mit dem Schicksal der heutigen Geflüchteten – und stellt die Schlüsselfragen unserer Zeit: Was bedeutet es, zufällig im «richtigen» Land geboren zu sein, und wie entstehen Nähe und das Gefühl von Zugehörigkeit?

 

das Monte-Rosa-gebirge in Sichtweite

Der Roman Acht Berge des Mailänder Autors Paolo Cognetti ist ein stilles Buch über eine Männerfreundschaft, das harte Leben in den Bergen und die Suche nach dem richtigen Platz im Leben. Doch Paolo Cognetti erzählt nicht nur die Geschichte einer Männerfreundschaft. Er zeigt auch, was passiert, wenn ganze Talschaften sich entvölkern und Bergdörfer zerfallen, weil niemand mehr dort leben mag – und wenn auf der anderen Seite die Berge zum Sehnsuchtsort für zivilisationsgeplagte Städter geworden sind.

Paolo Cognetti war u. a. zu Gast in der SRF-Sendung 52 Beste Bücher. Er erzählt von seiner eigenen Faszination für die Berge. Diese Sendung kann meiner Meinung nach die Lektüre nicht ersetzen, im Nachgang aber ergänzen – nämlich genau in dem Moment, in dem man traurig ist, dass man das Buch gerade fertig gelesen hat.

Acht Berge war das erste Buch, das ich von Paolo Cognetti gelesen habe. Der Autor hat für diesen Roman den renommierten italienischen Literaturpreis Premio Strega erhalten. Danach las ich noch Fontane Numero 1. Ein Sommer im Gebirge – ganz anders, autobiografisch und auch wahnsinnig beeindruckend. Nach einer solchen Lektüre möchten auch Sie eine kreative Pause auf der Alm!

 

Und welche Bücher aus Italien lieben Sie?
Schreiben Sie mir Ihren Buchtipp gerne im Kommentar! Ich danke!

Und noch ein Hinweis in eigener Sache: Ich plane im Herbst 2020 einen Lesekreis in der Innerschweiz mit italienischem Schwerpunkt und dann doch wieder eine Reise nach Italien im nächsten Jahr, wenn wir dann wissen, wie es mit den Reisebeschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie weitergeht.
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2 Gedanken zu „Lesetipps: Lieblingsbücher aus Italien

    • Lydia Zimmer sagt:

      Lieber Dirk Franke, Sie waren meine Motivation! Vielen Dank für das Teilen Ihrer Italiensehnsucht – so ertrage ich die meine etwas besser. Geteiltes Leid ist halbes Leid – zumal mit der richtigen Leseliste! Liebe Grüsse!

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