Buchhandel

Interview: Hans Frieden, Buchhandelsvertreter

An der Internationalen Buchmesse in Frankfurt 2016 habe ich Hans Frieden wieder getroffen. Ich kenne ihn schon lange. Wir haben zusammen gearbeitet, als ich noch im Verlagswesen tätig war.
Wir hatten Zeit für ein kurzes Interview über die Brückenbauer des Buchhandels: die Buchhandelsvertreter, welche sonst für die Leser unsichtbar agieren. Meine Fragen waren wohl etwas ungenau, seine Antwort sind aber umso präziser!

Hans, Warum vertritt ein Vertreter eine Auswahl an Verlagen und nicht alle?

Die Frage verstehe ich nicht: Alle Verlage vertreten? Bei tausenden Verlagen? Im Idealfall hat ein Vertreter Verlage aus einem oder mehreren definierten Bereichen. Zum Beispiel „Belletristik“,  „Kinder- und Jugendbuch“ oder „Kochbuch“ etc. Das erhöht die Kompetenz des Vertreters und die Chance steigt auch, dass er in den entsprechenden Abteilungen einer Buchhandlung empfangen wird. Die Verlage innerhalb der gleichen Warengruppe sollten sich natürlich ergänzen und nicht die direkten Konkurrenten sein.

Stapel

Andersrum gesagt: Der Vertreter ist ein Vertreter. Theoretisch könnten ja alle Verlegerinnen & Verleger jede Buchhandlung persönlich besuchen (könnte digital künftig ja genau so passieren). Weil das praktisch nicht geht – auch weil eine Buchhandlung nicht so viele Verleger empfangen möchte – braucht es die Vertreter, die darum auch für mehrere Verlage zuständig sind. Oder für einen Konzern mit mehreren Verlagen.
 
Nebst der thematischen Balance innerhalb der Vertreter-Tasche ist es auch wichtig, nicht zu wenige oder zu viele Verlage zu vertreten. Die Buchhändlerin will, dass der Aufwand für einen Termin „sich lohnt“ – wenn man sich die Zeit nimmt, auch mit der Vorbereitung, so sollen auch ein paar gscheite Bestellungen zustande kommen. Und wenn die Buchhändlerin einen Vertreter fürchtet, weil er sooo viele Verlage hat, dass man nie fertig wird, dann ist es auch nicht gut. 

Empfangen alle Buchhandlungen Vertreter? Warum?

Die Frage müsste wohl eher lauten „Wenn nein, warum nicht?“ – Du hast ja in Deinem Text schon sehr schön beschrieben, warum die Vertreter und Vertreterinnen wichtig sind – und darum empfangen werden!
Es gibt Filialisten oder Einkaufsgemeinschaften, die zentral bestellen.  Die bestellen dann auch nur bei „gelisteten“  Verlagen, mit denen bessere Konditionen vereinbart wurden. Da sind dann meistens auch nicht die Vertreter zuständig, dafür gibt’s die Key Account Manager!! Die Filialen werden dann „ungefragt“ bestückt, Mitglieder von Einkaufsgemeinschaften rufen in der Zentrale ab.

Es gibt natürlich auch Buchhandlungen, die auf Vertreter verzichten, die von bestimmten Verlagen nur die Vorschauen bekommen wollen und dann bestellen. darunter sind auch Läden, die alle Bestellungen beim Barsortiment machen. Dort sind dann zwar die Konditionen schlechter als bei den Vertretern – dafür ist der Aufwand kleiner und man hat im Idealfall nur einen Lieferanten und folglich weniger einzelne Rechnungen und Überweisungen.

Buchhandel

Die Frage wäre dann natürlich auch noch die nach der Anzahl der empfangenen Vertreter. Das können mal nur  5 Vertreter sein – man empfängt die für sich bzw. den Laden wichtigsten Vertreter,

ansonsten kann man wie oben beschrieben verfahren. Oder aber, grössere Häuser oder wenn viele Warengruppen zu pflegen sind, haben schnell mal halbjährlich 20 oder 30 oder mehr Vertreter in ihrem Vertreterkalender stehen!
(Und umgekehrt hat ein Vertreter 170, 200 oder mehr Buchhandels-Termine pro Halbjahr.)

So viel dazu! Du kannst mich gerne zitieren – ein Bild von mir halte ich nicht für nötig.

Lieber Hans, ich danke für das Interview und deine Antworten. Und merci auch für das Bild! Lydia

Das Interview fand statt im Oktober 2016.
Mir war es wichtig, Buchhandelsvertreterinnen und Buchhandelsvertretern ein Gesicht zu geben. Daher habe ich mich entschieden, das Bild mit Hans Frieden zu veröffentlichen – stellvertretend für alle unsichtbaren Menschen, die sich mit Passion im Buchhandel engagieren.

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