Stapel

Von der Freude des Vertriebs

In der Buchbranche kommen unzählige Dinge zusammen. Es gibt mannigfaltige Berufe und Tätigkeiten, Funktionen, Arten von Betrieben oder Unternehmen. Es gibt mindestens ebenso viele verschiedene Menschen, die dort arbeiten, diese Berufe und Tätigkeiten ausüben, diese Funktionen erfüllen. Von der Idee zu einem Buch, über das Entstehen in Text und Gestalt und die eigentliche Produktion, bis hin zum fertigen Exemplar, das in der gut sortierten Buchhandlung mit wirklichen Buchhändlern (oder auch bei Amazon) vom Kunden gekauft und schliesslich von der Leserin gelesen wird. Und über all das – und noch viel mehr: über fast alles und jedes! – gibt es Bücher.

Patrick Schneebeli berichtet wieder für Sie.

Dass es über beinahe alles Denkbare der Welt Bücher gibt, hat mich unter anderem bewogen, den Beruf des Buchhändlers zu ergreifen. Auch noch über die entlegensten Themen und Wissensgebiete hat jemand einmal ein Buch geschrieben, das einem als Buchhändler früher oder später auf dem Weg zum Kunden in die Hände kommen kann. Immer wieder neu kann man sich interessieren und fesseln lassen. In Katalogen oder durch Nachfragen am rechten Ort ist jeder Titel zu finden und von irgendwo zu beschaffen und kommt dann auf mehr oder weniger verschlungenen Wegen in die Buchhandlung und zum Kunden. Wie oft hat mich das fasziniert.

Service

100 Dinge, jenseits der Inhalte

Diese Vielfalt bildet sich auch in der Vertriebsarbeit des Verlages ab. Die Kernaufgabe ist ja recht simpel: dafür zu sorgen, dass die Bücher des Verlages in die Buchhandlungen und zu den Leserinnen und Lesern kommen und dass die ganze Auflage abgesetzt wird. Das Schöne daran ist, dass sie so viel weiter reicht und so viel Verschiedenes umfasst. Von der Idee zum Buch bis das fertige Exemplar fakturiert und verpackt die Auslieferung verlässt, im Stapel auf dem Tisch in der Buchhandlung liegt, und die Neuerscheinung an einem geeigneten Ort einem begeisterten Publikum vorgestellt wird, sind es viele Schritte, auch im Vertrieb. Und man setzt sich dabei mit 100 Dingen und Fragen auseinander, die mit den Inhalten der Bücher oft nicht das Geringste zu tun haben, die aber unglaublich spannend sein können.

Stapel

Datenbanken und den Austausch von Daten zwischen ihnen. Verpackung, Logistik, Transportwege und -mittel (Containerschiffe!). Die wunderbare Welt der Barcodes. Die Lagerorganisation einer Auslieferung oder eines Barsortiments: Hochregal und Förderband, Blocklagerung und die Virtuosität des Gabelstaplerfahrers. Wie werden einzelne Sendungen zusammengetragen, auf Vollständigkeit geprüft und verpackt und welche Technik hilft dabei? Wie werden Palletten in den Container gestapelt, wie lässt sich eine Sendung versichern und wie berechnet sich der Preis dafür?

Was macht eine gute Website für den Verlag aus und welche Technik steckt dahinter? Und zwei Jahre nach der Neulancierung folgt das Thema, was nun für die bald erscheinenden ersten E-Books vertriebsseitig zu tun ist. Auch im digitalen Zeitalter arbeitet man zugleich Saison für Saison an der gedruckten Verlagsvorschau mit, was darin stehen soll zu jedem Buch, wie sie gestaltet sein soll, wie sie «funktioniert».

Die Vielfalt im Alltag

Dazwischen immer wieder mitdenken, wie Bücher heissen und aussehen können. Sich Projekte von den Kollegen im Lektorat «verkaufen», sich überzeugen oder gar begeistern lassen dafür. Oder auch einmal nicht. Oder erst, wenn «Meier, Hasen» nach langer Zeit aus der Druckerei kommt und dann sehr gefällt. Stolz erste Vorausexemplare eines besonders gelungenen Titels allen zeigen, die an den Stand auf der Buchmesse kommen (habe ich schon erwähnt, sie sehr ich Buchmessen liebe?). Und am Ende, mit dem letzten Funken der Begeisterung, dem Ramscher 987 Exemplare verkaufen, die immer noch im Lager liegen weil so viel remittiert wurde.

Alles, jeden Tag, immer wieder, immer wieder neu. Und dabei vielen Menschen begegnen, in verschiedenen Kulturen und Buchmärkten, in all den Berufen und Tätigkeiten, Funktionen, Arten von Betrieben oder Unternehmen in und um die Buchbranche. Lustigen, netten, liebenswerten, eigenwilligen, originellen, schwierigen, unmöglichen Zeitgenossen. – Ich mag meinen Beruf.

AutorAlles Gute!
Ihr Patrick Schneebeli

Patrick Schneebeli ist Vertriebsleiter der Verlage Scheidegger & Spiess und Park Books in Zürich.Dieser Beitrag wurde in der Zeitschrift vom Schweizer Buchhändler- und Verlegerverband (SBVV) „Schweizer Buchhandel“ veröffentlicht. Lydia Zimmer dankt dem SBVV und Patrick Schneebeli.

Lydia Zimmer fragt Sie nun: Was möchten Sie noch über die Buchbranche erfahren?
Schreiben Sie uns in den Kommentaren!

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