Das ist das Schicksal eines Schreibenden

Im Januar 2020 erschien das Buch «Von Menschen und Eseln» des Autors Raphael Romano im Handel. Im Interview mit Lydia Zimmer beschreibt der Autor den Weg vom Manuskript zum fertigen Buch – mit all seinen Wendungen, Herausforderungen und Fragestellungen.

WIE BIST DU AUF DIE IDEE ZUM BUCH GEKOMMEN?

In meinem Leben habe ich mich viel mit den drei folgenden Themen auseinandergesetzt: Liebe, Tod und Humor. Diese Themen sollten in meinem Roman ihren Niederschlag finden. Die Ideen dazu entstanden aus Fantasiertem, Gehörtem und Erlebtem.

BESCHREIBE DEN INHALT deines Buches «VON MENSCHEN UND ESELN» IN WENIGEN SÄTZEN!

Im ersten Teil beschreibe ich das Schicksal von Filomena, die in eine familiäre Konstellation hineingeboren wird, welche ihr manch schweren Schicksalsschlag beschert. Der Kampf um Glück, um Anerkennung und eben um Liebe begleitet Filomena ein Leben lang. Im zweiten Teil begegnen wir Lionel, ihrem Sohn, der wie wir alle auf der Suche nach dem Sinn des Lebens ist. Dabei muss er herausfordernde und schwierige Situationen meistern, bis er seiner grossen Liebe Antonia begegnet, die noch einmal alles auf den Kopf stellt.

«Es ist nicht so, dass man sich in solchen Momenten nochmals innig in die Augen schaut, tiefe Liebe spürt und Händchen haltend auf den Tod wartet. Nein, Lionel und Liz brüllten, hatten Todesängste und versuchten sich überall festzuhalten, wo es nur ging.» (Vom Esel, der fliegen wollte)

Das Kinderbuch «Vom Esel, der fliegen wollte» spielt im Roman eine zentrale Rolle.

WIE LANGE HAST DU AN DEM MANUSKRIPT GEARBEITET?

Das Projekt lief über mehrere Jahre mit den üblichen Krisen: keine Zeit, keine Lust, keine Ideen …

GAB ES BESTIMMTE PHASEN?

Zum Teil wurde der Inhalt durch meine private Lebenssituation geprägt. Trotzdem ist es gefährlich, einen Bezug zu noch lebenden Personen herzustellen. Es ist wohl ein Stück von mir, aber gerade Leute, die mich kennen, neigen zu falschen Interpretationen.

WANN HATTEST DU DAS GEFÜHL, JETZT IST DAS MANUSKRIPT FERTIG?

Das ist das Schicksal eines Schreiberlings: Ein Roman ist nie fertig! Aber irgendwann einmal muss man die Gnade haben, das Werk zu beenden, psychisch und physisch. Wahrscheinlich würde man schon einen Monat später gewisse Passagen wieder umschreiben.

WIE GESTALTETE SICH DIE VERLAGSSUCHE?

Für einen unbekannten Autor gestaltet sich die Verlagssuche immer sehr schwierig. Bei den Selbstzahlverlagen gibt es eine ganze Menge von Angeboten. Wo man schliesslich landet, ist eher eine Frage des Gefühls. Vielleicht wird sich das Image dieser Art von Veröffentlichung mit der Zeit noch wandeln, weil gute Bücher nicht nur eine Sache gestandener Verlage sind.

WAS IST DIR AN EINEM VERLAG WICHTIG?

Ich schätze die persönliche Betreuung, eine professionelle Begleitung in allen Phasen der Buchentstehung und ein engagiertes Marketing – das Gefühl, dass sich der Verlag wirklich für dich einsetzt.

WANN BEGEISTERT DICH EIN BUCH? WAS SIND DIE AUSSCHLAGGEBENDEN ASPEKTE?

Wenn ich schnell mitten in der Geschichte bin, wenn ich berührt, aufgewühlt und mitten im Plot lebe, dann haben mich die Schreibenden abgeholt. Prägnante, kompakte Sätze sprechen mich besonders an und sind in meinen Augen eine hohe Kunst. Persönlich erlaube ich es mir, nach etwa 15 Prozent der Seitenzahlen eines Buches zu entscheiden, ob ich weiterlese oder nicht. Ich mag originelle Ideen, Humorvolles und Berührendes.

WEr ist der Autor Raphael Romano?
Bitte stelle dich in eigenen Worten vor!

Was soll ich da erwähnen?

  • Dass ich aus einer kinderreichen Familie stamme?
  • Dass ich an einem Tisch mit so vielen Kindern immer Angst haben musste, dass die Salatschüssel, wenn sie endlich bei mir angelangt, leer ist?
  • Dass ich wegen der Züglerei meiner Eltern vier verschiedene kantonale Schulsysteme, Lehrmittel und Dialekte über mich ergehen lassen musste?
  • Dass ich ein Lehrerseminar besucht habe mit einem Internatsbetrieb, der jede Rekrutenschule zum Wohlfühllager gemacht hätte?
  • Dass ich keinen Militärdienst geleistet habe, weil ich mir ungern vorschreiben lasse, wann ich liegen, laden und schiessen soll?
  • Dass ich Psychologie studiert habe und nachher vor allem wusste, wie man Statistiken fälscht?
  • Dass ich keinen Alkohol trinke und noch heute von einigen Eseln als Kostverächter, Banause und Weichei bezeichnet werde?
  • Dass ich geheiratet habe und zwei wunderbare Kinder habe? Das behaupten übrigens 99,9 Prozent der Eltern – aber woher kommen dann all die Kriminellen?
  • Dass ich in meinem Leben vielen Menschen, aber auch einigen Eseln begegnet bin?
  • Dass ich an der Pädagogischen Hochschule vor allem am Montagmorgen «hochmotivierten Studis» Kommunikation, Entwicklungspsychologie und Persönlichkeitsbildung dozierte?
  • Dass ich unser Schulsystem als hoffnungslos überholt wahrnehme?
  • Dass ich x-mal am Knie operiert wurde, weil Spieler der gegnerischen Fussballmannschaft das Spiel nicht selten mit einer Vollkontaktsportart verwechselt haben und ich deshalb heute nur noch Sportarten betreibe, bei welchen ein Netz zwischen mir und meinem Gegner gespannt ist?
  • Dass ich bis heute als Psychotherapeut und Ausbildner in der Notfallpsychologie für Careteams, Polizei, Feuerwehr usw. tätig bin? («Wow, das ist sicher hart», meinen die andern.)
  • Dass ich zudem als Verkehrstherapeut arbeite und versuche, die Delinquenten auf den rechten Weg bzw. die rechte Strasse zu bringen?

All dies interessiert doch keinen Esel, oder doch?

Lieber Raphael, ich danke Dir für deinen Bericht über die Entstehung deines Romans «Von Menschen und Eseln»!

 

​Mehr Informationen auf seiner Webseite: www.raphaelromano.ch

© Foto: Raphael Romano.

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