Wer sucht, der findet: Bücher aus aller Welt

Im Buchclub «Die Welt lesen» widmen wir uns mit unserer Lektüre monatlich einem anderen Land. Doch wie wählen wir die internationalen Werke aus? Mit diesem Artikel geben wir Ihnen einen Einblick in unseren Auswahlprozess und ermöglichen Ihnen damit einen Blick hinter die Kulissen von Literaturecho.

Das primäre Ziel des Buchclubs ist es, Lesenden der Schweiz internationale Literatur näherzubringen. Alle Bücher, die wir für den Buchclub in Betracht ziehen, müssen ins Deutsche übersetzt worden sein und lieferbar sein.

Neben diesen beiden Grundvoraussetzungen gibt es noch weitere Kriterien. Sie sind darauf ausgerichtet, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Buchclubs möglichst interessante, vielfältige Leseerlebnisse zu bescheren.

aktuelle, authentische Stimmen

Internationalen Autorinnen und Autoren, die noch in ihrem Ursprungsland leben und in ihrer Muttersprache schreiben, wird im Vergleich zu Emigrantenautorinnen und -autoren, die ihre Bücher auf Englisch oder Französisch veröffentlichen, in der Öffentlichkeit und in den Medien relativ wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Literaturecho möchte diesen so oft unbeachteten Schriftstellerinnen und Schriftstellern die Aufmerksamkeit schenken, die ihnen gebührt.

Wir bevorzugen Bücher, die sich direkt mit dem Herkunftsland der Autorin oder des Autors auseinandersetzen – sei es auf kultureller, sozialer, geschichtlicher oder alltäglicher Ebene. Damit möchten wir Ihnen einen möglichst authentischen Eindruck des thematisierten Landes und wertvolle kulturelle Kenntnisse über dieses Land vermitteln.

Wir legen den Fokus auf zeitgenössische Literatur, die von aktuellen, authentischen Stimmen geprägt wird. Die Gegenwartsliteratur ist von grosser Wichtigkeit. Sie beschreibt das gegenwärtige Geschehen und kann damit auch Einfluss auf Gesellschaft oder Politik ausüben. Doch vor allem gehen uns die Geschichten, der zeitgenössischen Autorinnen und Autoren, so nah, weil sie vom Alltag inspiriert sind. Trotz kultureller Unterschiede, die uns von internationalen Autorinnen und Autoren trennen, können wir Parallelen zu unserem eigenen Leben erkennen.

eigenständig und originell

Das Angebot der aktuellen internationalen Literatur ist unglaublich vielfältig – noch nie hatten so viele Menschen auf der Welt die Möglichkeit, zu schreiben und sich ein Publikum zu verschaffen. Noch nie wurden so viele Bücher übersetzt wie heute.

Bei der Auswahl jedes Buches orientieren wir uns an denselben genannten Kriterien. In Ausnahmefällen sind wir gezwungen, von den oben besprochenen Richtlinien abzuweichen. Das betrifft vor allem Herkunftsländer, in denen die Meinungs- und Pressefreiheit nicht gewährleistet ist. Für viele Autorinnen und Autoren ist es somit nicht möglich, ihre Werke unzensiert im Heimatsland zu veröffentlichen – beispielsweise China und Kuba.

Exilliteratur meiden wir soweit als möglich, weil wir möglichst nahe an den Alltag und an die Atmosphäre des Landes herankommen möchten. Bücher, die ausserhalb anstatt im Land geschrieben werden, haben tendenziell einen distanzierteren Blick auf ebendieses Land.

Neben den offiziellen Kriterien gibt es auch noch inoffizielle: Die Bücher sollen selbstverständlich einen literarischen Wert haben; über den kann natürlich stets gestritten werden. Wir suchen nach Büchern mit Substanz, Bücher, die inhaltlich und stilistisch etwas hergeben, eigenständig und originell sind. Nach unserer Philosophie sollte uns die Lektüre zum Nachdenken und zum Diskutieren anregen.

Zusätzlich sollte mindestens eines von drei Büchern, das wir auswählen, von einer Frau geschrieben sein. Damit möchten wir diskrimierenden Tendenzen vorbeugen, die in der Literaturbranche leider auch heute noch existieren.

wo wir fündig werden

Inspiration für die Buchauswahl gewinnen wir – abgesehen von persönlichen Entdeckungen in der Bibliothek, unseren ausgewählten Buchhandlungen und durch Bekannte – vor allem durch Beiträge von uns geschätzten Medieninstitutionen wie Arte und etwa durch die Sendung «52 beste Bücher» von Radio SRF 2 Kultur.

Weitere wichtige Quellen sind die Angebote verschiedenster Kultur- und Literaturvermittler, darunter BuchBasel, das Haus der Kulturen der Welt in Berlin, die Angebote der Literaturhäuser Basel, Zürich, Stans und Lenzburg sowie Events diverser internationaler Buchmessen und -festivals.

Die Auswahl der Bücher und die Vorbereitung der Buchclubtreffen beginnt zirka ein halbes Jahr im Voraus. Nach dem Navigieren des Angebots, das unseren Kriterien so gut wie möglich entspricht, beginnt der eigentliche Selektionsprozess. Es wird gelesen, analysiert und recherchiert, um Bücher zu finden, die einen Platz im Buchclub verdienen.

Der Auswahlprozess ist je nach Land unterschiedlich lang. Bei manchen Ländern gibt es leider immer noch keine grosse Auswahl an Neuübersetzungen. Beispielsweise ist dank des Litradukt Verlags eine Fülle an übersetzter haitianischer Literatur verfügbar, während sich für Peru nur knapp drei passende Bücher finden liessen. Die Demokratische Republik Kongo mussten wir vorerst aufgeben. Im Land herrschen zurzeit bürgerkriegsähnliche Zustände und es wird deswegen kaum geschrieben oder veröffentlicht.

Haben sich mehrere geeignete Werke finden lassen, präsentiert Lydia diese bei einem Buchclubtreffen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben dann die Chance, aus dieser Vorauswahl für ihre Favoriten abzustimmen und so demokratisch ein Buch auszuwählen, das sie besonders anspricht.

Bücher aus aller Welt: Zusammengefasst

Wir ermöglichen Ihnen anhand der Literatur einen Zugang zu fremden Ländern und Ihnen unbekannte, neue und interessante Autorinnen und Autoren näherbringen. Gemeinsam mit Ihnen wollen wir im Gespräch unseren Horizont erweitern, denn trotz geografischer und kultureller Grenzen gilt: Lesen verbindet. Wir hoffen, dass wir auch in Zukunft Bücher auswählen, die Sie neugierig machen, inspirieren, zum Lachen bringen, empören, berühren – und die vor allem Ihre Lust am Lesen zufriedenstellen.

Artikel von Sophie Keller, Praktikantin bei Literaturecho

Sind Sie interessiert, mitzulesen?
Hier finden Sie Details zu unserem Buchclub.

 

 

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