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Diese Bücher aus Argentinien sollten Sie lesen!

von Andrea Machura, Projektmitarbeiterin bei Die Welt lesen. Der Buchclub

Ich habe mich einen Monat lang in die zeitgenössische argentinische Literatur vertieft. Denn im Die Welt lesen. Der Buchclub werden wir im Januar 2018 dieses südamerikanische Land lesend bereisen.

Welche Assoziationen hatte ich mit Argentinien? Drogen, Gewalt gegen Frauen, Militärdiktatur, aber auch Tango und natürlich das argentinische Rindfleisch. Ich war also sehr gespannt, ob sich mein Bild bestätigt und was sich davon in der Literatur wiederfindet. Hier sind meine drei Favoriten:

Claudia Piñeiro: „Ein Kommunist in Unterhosen“

ArgentinienArgentinien, Sommer 1976: Ein Mädchen fühlt sich bereit, seine Kindheit hinter sich zu lassen. Die Ferien verbringt es mit der Familie und den besten Freundinnen im örtlichen Schwimmbad. Dabei beobachtet es mit wachem Verstand seine Umgebung. Die zentrale Bezugsperson ist der Vater des Mädchens – ein gut aussehender Mann, der seinen Arbeitsplatz verloren hat und nun Turboventilatoren in der Nachbarschaft verkauft. Die politische Realität bricht in Form von Zensur, Geheimnissen und Verdächtigungen in die kleine Vorstadtwelt der Familie ein. Das Mädchen muss sich zum ersten Mal fragen: Was kann ich sagen? Und wann ist es besser zu schweigen?
Der Roman erzählt von einer Kindheit und zeichnet zugleich das Porträt einer Epoche, einer gesellschaftlichen Klasse und eines ganzen Landes.

Die Autorin, Claudia Piñeiro, geboren 1960 in Buenos Aires, ist der Shootingstar der argentinischen Literatur. Nach dem Wirtschaftsstudium wandte sie sich dem Schreiben zu, arbeitete als Journalistin, schrieb Theaterstücke, Kinder- und Jugendbücher und führte Regie fürs Fernsehen. Ihre Romane sind auf den Bestsellerlisten zu finden. Sie werden in mehrere Sprachen übersetzt und auch verfilmt. Für Die Donnerstagswitwen erhielt sie 2005 den „Premio Clarín“; 2010 wurde sie mit dem „LiBeraturpreis“ ausgezeichnet.

Mein Fazit: Das Autobiografische und die interessante Lesart (die zweite Hälfte des Buches umfasst persönliche Notizen und Bilder aus dem Familienalbum, auf die im ersten Teil des Buches hingewiesen wird) haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Carlos Gamerro „Der Traum des Richters“

Eines Morgens lässt Urbano Pedernera, früherer Militärkommandant und mittlerweile Richter in Malihuel, den Gaucho Rosendo Villalba verhaften, weil dieser ihn in seinen Träumen zutiefst beleidigt hatte. Erst sorgenvoll, dann leidenschaftlich träumt er Nacht für Nacht von den Verbrechen, die die Bewohner des Dorfes an der argentinischen Grenze inmitten der Pampa begehen und die er tags darauf mit despotischer Härte bestraft. Für die Bewohner von Malihuel beginnt ein Albtraum am helllichten Tag, der den Richter am Ende selbst einholt. 

Mit diesem so großartigen wie unterhaltsamen Roman gelingt Carlos Gamerro eine bissige Satire auf das vielbesungene Heldenleben des argentinischen Gauchos. Er schöpft meisterhaft aus den unterschiedlichsten Traditionen: von der Traumhölle des spanischen Barocks um Góngora und Quevedo über die Shakespeare’sche Welt des Maskenspiels bis hin zur Willkür in den Erzählungen Kafkas und der Vermischung von Traum und Realität bei Borges und Calvino.

Der Autor, Carlos Gamerro, geboren 1962 in Buenos Aires, zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern des heutigen Argentiniens. Neben fünf Romanen und einem Erzählband veröffentlichte er auch Essays und übersetzte u. a. Werke von Graham Greene und William Shakespeare. Darüber hinaus schrieb er das Drehbuch zu dem Film Tres de Corazones. Ein Teil seiner Romane wurde ins Englische und Französische übertragen sowie für das Theater adaptiert. Mit Das offene Geheimnis erschien 2013 einer seiner Romane erstmals auf Deutsch. 2015 folgte sein Roman Der Traum des Richters.

Mein Fazit: Schmunzeln, immer wieder schmunzeln musste ich ob der Kuriositäten und der Schelmenhaftigkeit dieses Romans und seiner Hauptfigur.


Mariana Enriquez
 „Verschwinden“

Mariana EnriquezIm Stil eines „dirty realism“ wirft der Roman seinen ungeschönten Blick auf den typischen Mikrokosmos eines Viertels zwischen kleinbürgerlicher Misere und Slum. Im Mittelpunkt steht der 17-jährige Matías, der sich aus dem Strudel von Armut, Gewalt und Drogen zu befreien versucht.

Die Autorin, Mariana Enriquez, geboren 1973 in Buenos Aires, zählt zur jungen argentinischen Literaturszene, wie sie nach dem wirtschaftlichen Zusammenbruch des Landes 2001 entstanden ist.

Mein Fazit: Ich wünschte, nicht nur der junge Held, sondern auch sein gesamtes Umfeld hätte die Möglichkeit, ein besseres Leben zu führen. Ist Migration wirklich der Schlüssel zum Glück?

 

Argentinien im Buchclub

Mein Ziel war es, drei Bücher zu nominieren, die zur Abstimmung im Die Welt lesen. Der Buchclub  kommen. Dort werden wir im Januar 2018 über eines dieser Bücher sprechen: Werden Sie Mitglied und diskutieren Sie mit! Ihre Meinung interessiert uns! Jetzt anmelden!

Autoren

Wer schreibt hier? Dieser Artikel ist von Andrea Machura, Projektmitarbeiterin bei Die Welt lesen. Der Buchclub. Sie ist ein Bücherwurm seit Kindertagen und gelernte Buchhändlerin. Seit vielen Jahren ist sie Kultur- und Literaturvermittlerin in Basel. Von der deutschsprachigen Literatur geprägt, freut sie sich nun auf das gemeinschaftliche Entdecken vieler neuer Bücher aus aller Welt. Diese und weitere fünf Bücher hat sie im Sommer 2017 gelesen, um die Top 3 zu nominieren.

Welche Bücher kennen Sie aus Argentinien? Wir freuen uns auf Ihre Empfehlungen in den Kommentaren unten auf dieser Seite!

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