Die eigene Stimmung trägt viel dazu bei, wie man ein Buch liest

Andrea ist eine begeisterte, aber auch kritische Leserin. Sie ist ein Bücherwurm seit Kindertagen und gelernte Buchhändlerin. Im «Echo» lassen wir unsere Leserinnen und Leser mit einzelnen Portraits zu Wort kommen und laden zum Austausch von Anregungen und Empfehlungen ein.

Von welcher Autorin bzw. welchem Autor kaufst Du ein Buch, ohne darüber nachzudenken?

  • Alexa Henning von Lange
  • Wilhelm Genazino
  • Yasmina Reza
  • Robert Seetaler

Wo und wie suchst Du nach Buchempfehlungen?

Ich nutze viele Angebote vom Schweizer Radio Fernsehen SRF:

  • «Die Buchkönig bloggt»: tolles Format
  • «Buchzeichen» und «52 Beste Bücher»: höre ich als Podcast
  • «Literaturclub»: schaue ich besonders gerne, da die Moderatorin Nicola Steiner eine Klassenkameradin von mir aus Berlin ist

Den «Literarischen Monat» habe ich seit Jahren abonniert, die Büchersendung «Druckfrisch» mit Dennis Scheck liebe ich und «Buchzeit» auf 3sat hat eine ganz tolle Runde von Kritikerinnen und Kritikern, neben dezidierten Meinungen einfach tolle Frauen.

Und dann gibt es natürlich noch die Buchauswahl des Buchclubs Die Welt lesen– das sind bei zehn Buchclub-Treffen pro Jahr immerhin 30 Buchtipps!

Was ist das schönste Buch in Deiner Bibliothek?

Da gibt es einige! Aber eines finde ich besonders schön: Es ist von der französischen Autorin Nathalie Sarraute und heisst Die goldenen Früchte. Der Schutzumschlag ist wunderschön. Ich habe das Buch von einer Freundin geschenkt bekommen und schätze, sie hat es wegen des Covers ausgewählt – und damit genau meinen Geschmack getroffen. Leider ist das Buch inhaltlich sehr sperrig, und ich habe es schon mehrfach zur Hand genommen und wieder weggelegt.  

Und gerade am vergangenen Wochenende ist ein neues Buch dazugekommen: Besessen von Elisabeth Bronfen, ein ganz untypisches Kochbuch, sehr reduziert, nur Typo, wunderschön. Wie alle anderen Bücher des Basler Echtzeit Verlags übrigens!

Welche Bücher findet man vor allem auf Deinem Bücherregal?

Viele Biografien und Autobiografien, zumeist von Künstlerinnen und Künstlern.

Ordnest du Deine Bibliothek nach einer gewissen Struktur?

Es gibt eine grobe Unterteilung in Biografien, Sachbücher, Reiseliteratur und Belletristik. Innerhalb dessen gibt es aber keine Ordnung.

Was ist Deiner Meinung nach ein unbekanntes Juwel – ein Buch, das mehr Aufmerksamkeit verdient?

Das ist ganz klar Die nachdenklichen Hühner von Luigi Malerba (Wagenbach Verlag Berlin). Es war das Lieblingsbuchs meines ehemaligen Chefs im Buchladen in Berlin, in dem ich meine Ausbildung gemacht habe. Damit avancierte es in unserer Kiezbuchhandlung zum absoluten Longseller.

Hier zwei kleine Geschichten aus dem Alltag des Hühnerhofs, die mit viel Ironie ein ziemlich zutreffendes Bild der Menschen und ihrer Illusionen schaffen:

  1. Ein pyromanisches Huhn spazierte mit einem Streichholz im Schnabel umher. «Ich könnte alles verbrennen», sagte es, «aber ich verbrenne nichts, weil ich ein zivilisiertes Huhn bin.» Von den anderen Hühnern in die Enge getrieben, gestand es schliesslich, dass es deshalb kein Feuer lege, weil es nicht imstande sei, das Streichholz anzuzünden.
  2. Ein Schweizer Huhn wollte Schokoladeneier legen. Es versuchte, viele Pralinen zu essen, und nach einigen Monaten, während der Osterfeiertage, gelang es ihm, Eier mit bräunlicher Schale zu legen, das war alles. Es war so enttäuscht, dass es den Entschluss fasste, auf die Schweizer Staatsbürgerschaft zu verzichten.

Wo ist Dein Lieblingsort zum Lesen? 

Eindeutig im Bett – mit Zugriff auf meine Bibliothek.

Gibt es Bücher, die Du nicht zu Ende gelesen hast? Wieso?

Hier erzähle ich lieber eine Geschichte mit Happy End: Die Mittagsfrau der deutschen Autorin Julia Franck musste ich regelrecht knacken. Erst im dritten Anlauf hat es schliesslich geklappt, aber dann konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen . Die eigene Stimmung trägt eben viel dazu bei, wie man ein Buch liest.

Zur Person

Andrea Machura ist gelernte Buchhändlerin und seit Kindertagen ein eifriger und passionierter Bücherwurm. Seit vielen Jahren ist sie Kultur- und Literaturvermittlerin in Basel sowie selbständig  mit «Alles gesagt_» im Bereich der Unternehmenskommunikation. Von der deutschsprachigen Literatur geprägt, entdeckt sie beim Buchclub «Die Welt lesen» viele neue Bücher aus aller Welt.

 

© Fotos: Sincerely Media (Brille mit Büchern), Alles Gesagt_ (Portrait), Andrea Machura  (Bücher und Bücherregal mit Bett)

 

Hat Sie der Beitrag inspiriert, ein bestimmtes Buch oder eine bestimmte Autorin oder einen bestimmten Autor zu lesen? Teilen Sie uns Ihre Anmerkungen und Gedanken in den Kommentaren mit!

Veröffentlicht in: Echo

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