Buchregal

Von A bis Z sortiert – oder wie?

Ordnung im Buchregal

Nur wenige Dinge in einer fremden Wohnung ziehen meinen Blick so auf sich wie Bücher im Regal. Bücher, mit denen man sich umgibt, lassen doch so manche persönliche Rückschlüsse auf die Eigentümer zu. Und wie man diese sortiert und Ordnung schafft, lässt treffsicher etwas über die hier Wohnenden sagen – nicht nur über deren Bildung und Stil, sondern auch über die Abgründe, ihre Seelen und persönliche Vergangenheit.

Wie ordnen Sie Ihre Bücher? Alphabetisch, also klassisch und brav nach Namen der Schreibenden? Der Autor, die Autorin im Mittelpunkt der Ordnung – so macht man nichts falsch, so funktionieren auch Buchhandlungen. Nach Kaufdatum? Oder nach Farben? Meine Eltern sortierten ihre Bücher jüngst nach Farben. Ist das peinlich? Vom deutschen Verleger Hubert Burda wird berichtet, dass er seine Bücher ebenso sortiert – das Auffinden einzelner Titel für Dritte kann aber auf diese Art schwer sein.

Nachbarn Buch

Nach Epochen oder doch von a bis Z?

Man kann auch chronologisch nach Geburtsdatum der Verfassenden vorgehen. Das ist „mühsam, aber sinnvoll“, meinen Kenner dieser Methode. U. a. der ehemalige Direkter der Weimarer Anna Amalia Bibliothek Michael Knoche machte es anscheinend im privaten Hause so. Sicher ist: Die Ordnung nach Epochen verspricht jede Menge Aufschluss, wer mit wem wann wetteiferte, stritt oder um Gunst buhlte. Nach Inhalten zu sortieren, ist ebenfalls anspruchsvoll, wenn man nicht nur die offensichtliche Unterteilung von Lyrik, Dramatik und Epik vornimmt. Soll die Belletristik noch zwischen Abenteuer-, Liebes-, Kriminal-, Fantasy- und Heimatromanen unterscheiden werden und dann wieder von A bis Z sortiert sein? Wenn man es genau nehmen will, braucht jedes Genre seine eigene Unterordnung.

Ich tendiere zum Gesetz der guten Nachbarschaft, was im Gegensatz zum Chaosprinzip zwar eigentümlich und höchst individuell ist, aber sinngleich in meinem Kopf kreuz und quer verschiedene Gebiete vernetzt. So eingeräumt ergeben sich – für mich – sinnvolle Ergänzungen. Und die separierten Laufmeter Ungelesenes haben mich schon vor so manch einsamem Abend bewahrt.

wie wichtig ist

Platzsparen

?

Die Eigentümer definieren die Ordnung, doch irgendwann kommen alle zur kritischen Platzfrage. Platzsparen war schon ein wichtiges Kriterium in den barocken Bibliotheken. Bei normaler Deckenhöhe ist die Anordnung der grossen, schweren Folianten unten und der kleineren Formate mit 15 cm Rückenhöhe oben die pragmatischste Lösung. Sie schont zudem die Rücken der Bücher. Die Aufstellung nach Grösse ist ausgefallen, aber diese Ordnung braucht – je nach Variation – auf jeden Fall Platz. Die private Bibliotheca Pepsyiana der Universität Cambridge aus dem 17. Jahrhundert vereint eine Sammlung von 3000 Büchern. Das kleinste Buch ist Nr. 1, das Grösste ist Nr. 3000. So kann man auch die eigenen Tagebücher gut verstecken, wie es der zeitweilige Präsident Samuel Pepys machte.

Buchstapel

Doppelreihig stellen, kommt für mich aber nicht in Frage: Freiheit, Anarchie und Originalität hin oder her.

Wie finden Sie Ihre Bücher?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere