Die besten zeitgenössischen russischen Bücher

Für den Buchclub, welcher im September das Thema Russland hat, habe ich mich intensiv mit zeitgenössischer russischer Literatur auseinandergesetzt. Die russische Literatur nimmt dank meines Studiums einen grossen Platz in meinem bibliophilen Herz ein. Mir fielen sofort mehrere wunderbare Autorinnen und Autoren ein, aus denen ich notgedrungen eine Auswahl von drei Büchern treffen musste. Nach welchen Kriterien ich diese ausgesucht habe, können Sie hier nachlesen. Und nun zu meiner Auswahl dieser drei brillanten Schriftstellerinnen:

Die Stille Macht der Frauen von Elena Chizhova

Dieser Roman, welcher von der genialen Übersetzerin Dorothea Trottenberg ins Deutsche übertragen wurde, handelt von der jungen Antonina. Sie versucht, im sowjetischen Leningrad der 60er-Jahre mit ihrer Tochter Susanna das Leben zu bewältigen. So gerät sie in eine unfreiwillige Wohngemeinschaft mit drei alten, strengen Babuschki, welche in der Wohnung ihr Regiment führen. Schliesslich kommen aber alle miteinander zurecht – bis ihr Pakt plötzlich in Gefahr gerät: Die kleine Susanna spricht nämlich nicht, was die Sowjetmacht als lebensgefährliches Makel sieht. Als ihr droht, in ein Heim eingewiesen zu werden, beginnen die drei alten Frauen, gegen den Staat zu kämpfen.

Der Roman zeigt die Schwierigkeiten im Alltag des Sowjetsystems auf. Obwohl die Handlung in den Sechzigern – also in der Tauwetter-Periode – spielt, müssen die Frauen gegen die allmächtig scheinende Bürokratie ankämpfen, um das Mädchen vor einem ungewissen Schicksal zu retten. Dabei werden sie sich ihrer stillen Macht immer mehr bewusst.

 

Die Kehrseite des Himmels von Ljudmila Ulitzkaja

Ljudmila Ulitzkaja, eine der bedeutendsten Autorinnen der russischen Gegenwart, hat in diesem Buch ihr Leben, ihre Erinnerungen und ihre Gedanken niedergeschrieben. In 40 kurzen Episoden erzählt sie von ihrer Kindheit und Jugend in Moskau, von ihren Vorfahren, von ihrer früheren Arbeit als Genetikerin und davon, wie sie sich schliesslich ganz dem literarischen Schreiben zuwandte. Offen berichtet sie über persönliche Dinge wie ihre Krebserkrankung und eigene Leseerfahrungen. Ulitzkaja kommentiert aber auch die aktuelle politische Lage Russlands sowie ihr kritisches Verhältnis zum Präsidenten Putin.

Ulitzkajas bisher autobiografischstes Buch ermöglicht auch westlichen Leserinnen und Lesern einen Einblick in den russischen Alltag und wirft Fragen nach Moral, Ethik und Religion auf.

 

Elephantinas Moskauer Jahre von Julia Kissina

Julia Kissinas neuster Roman handelt von der jungen Elephantina, welche eigentlich anders heisst und Dichterin sein möchte. Von der Liebe getrieben folgt sie ihrem Angebeteten, dem rotgesichtigen Dichter Tomatenguru, ins spätsowjetische Moskau. Dort irrt die nonnenhaft gekleidete Elephantina durch die Stadt, wird Teil der Literaturboheme, findet schliesslich eine Wohnung, begegnet Allen Ginsberg, den aber leider aus sprachlichen Gründen niemand verstehen kann, wird beim KGB vorgeladen – kurz, Elephantina erlebt in der Moskauer Künstlerszene eine Aufregung nach der anderen. So spannend ihr neues Leben auch ist, verzehrt sie sich immer nach ihrer grossen Liebe, dem verheirateten Tomaterich.

Genauso verrückt und skurril, wie der Roman hier klingt, ist er auch. Kissina erzählt mit sehr viel Witz und Humor von Elephantinas irrsinnigen Erfahrungen. Die deutsche Übersetzung behält die Verspieltheit und die sprudelnde Poesie des Originals bei.

Russland im Buchclub Die Welt lesen

Eines dieser drei Bücher wird der Buchclub im September also besprechen. Ich kann alle drei wärmstens empfehlen und bin mir sicher, dass jedes davon viele angeregte Gespräche nach sich ziehen wird!

Ein Artikel von Sofie Sabbioni, Praktikantin bei Literaturecho

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