Ute Fahlenbock Cover

Immer wieder neu und anders – der Beruf der Herstellerin

Ute Fahlenbock, Herstellerin im Suhrkamp Verlag, im Insel Verlag und im Jüdischen Verlag seit 2003, lebt und arbeitet in Berlin. Seit 2012 ist sie stellvertretende Abteilungsleiterin. 
Als Herstellerin im Verlagswesen betreut sie die Titel vom fertigen Manuskript bis zur Druckfreigabe. Im Interview gibt uns Ute Fahlenbock einen persönlichen Einblick in ihren Arbeitsalltag.

Ute Fahlenbock

Wie sind Sie Herstellerin geworden? War das Ihr Plan? 

Wie so viele kannte ich diesen tollen Beruf nicht, daher war es ursprünglich kein Plan. Ich habe einen Magisterabschluss in Politikwissenschaft und wollte nach Praktika bei einer Tageszeitung und in einem Verlag gerne ins Verlagswesen. Beim Start in einem ganz kleinen Verlag, in dem ich in verschiedenen Abteilungen erste Erfahrungen sammeln konnte, habe ich ein Seminar zum Thema Herstellung besucht und mich dann immer weiter in diese Richtung spezialisiert. Das war zu Beginn der 1990er-Jahre, Desktop Publishing (der Satz von Texten am PC und nicht in einem Satzbetrieb) stand in den Startlöchern. Ich habe damals erst gemerkt, dass ich sowohl gestalterische Fähigkeiten als auch technische Fähigkeiten habe, von denen ich vorher nichts ahnte.

Wie sieht der Arbeitsalltag bei Ihnen im Büro aus? 

Immer wieder neu und anders und wenig vorhersehbar: Rückfragen der technischen Betriebe (Satz, Druck, Litho) beantworten, Rechnungen kontrollieren, kalkulieren, Besprechungen mit Lektorinnen und Lektoren, Terminpläne erstellen, Arbeitsgruppen der Abteilung zu technischen Themen (Farbmanagement, XML), Qualität neu abgelieferter Bücher und eBooks kontrollieren. Das war der Vormittag. Und dann am Nachmittag, im besten Fall, in Ruhe ein Layout für ein neues Manuskript machen, einen Schutzumschlag gestalten und Lieferanten bei Laune halten, weil wieder irgendjemand die eigentlich abgesprochenen Termine nicht einhalten kann … 

Wann begeistert Sie ein Buch? Was ist ein gut gemachtes Buch?

Buchumschlag U.FahlenbockBei einem gut gemachten Buch stehen Typografie und Gestaltung immer im Dienst des Inhalts. Buchgestaltung ist keine freie Kunstform, sondern sie dient zuallererst der guten Lesbarkeit und Handhabung. Ein Buch muss funktionieren. Gutes Aufschlagverhalten, Materialien, die sowohl dem Auge als auch der Hand schmeicheln, eine Schrift und ein Satzspiegel, die gute Lesbarkeit gewährleisten, sind wichtig. 

Wenn dann beide – Inhalt und Form – sich ergänzen und etwas füreinander tun, dann bin ich zufrieden. Ein Beispiel wäre der Titel von Lars Mytting, Der Mann und das Holz aus dem Insel Verlag, ein Buch über Holz, Kamine, Feuer. Daraus haben wir eine Steifbroschur gemacht, die aussieht wie ein Stück Holz. Der Überzug ist, wie fast immer, aus bedrucktem Papier, das zusätzlich geprägt wurde. Das gesamte Erscheinungsbild „täuscht“ die Leser aber derart, dass wir einige Anfragen hatten, ob das Buch wirklich in Holz gebunden sei. Diese Nachfragen haben mir sehr viel Freude bereitet!

Wie lang ist die Laufzeit von einem Projekt? Wann beginnt Ihre Arbeit bzw. wann ist Ihre Arbeit an einem Projekt beendet? Was bleibt? 

Meist haben wir von Manuskriptabgabe bis Anlieferung der fertigen Bücher ans Lager drei bis vier Monate Zeit. Im besten Fall beginnt die Zusammenarbeit mit dem Lektorat schon, bevor wir ein Manuskript bekommen. Dann entwickeln wir gemeinsam mit dem Lektorat, dem Autor und dem Verkauf ein Konzept. Das ist vor allem bei besonderen Titeln (illustrierte Bände, enge Zielgruppe, Reihentitel, Werkausgaben) unbedingt notwendig. Da spielen dann die Gestaltung, die Ausstattung und der Ladenpreis eine besonders wichtige Rolle.

Meine Arbeit ist beendet, wenn die Bücher bei der Auslieferung liegen. Am Ende halte ich also immer ein sehr konkretes Ergebnis meiner Arbeit in der Hand. Es bleiben interessante Inhalte und oft der direkte Kontakt zu tollen Autoren, Illustratoren, Grafikern und vielen anderen am Buch Beteiligten.

Herstellerin Buch

Was ist Ihr aktuelles Lieblingsbuch?

Gerade freue ich mich auf den neuen Roman von Paul Auster, der allerdings so dick und schwer ist, dass ich erst in den Ferien anfangen werde, ihn zu lesen, damit ich das Buch nicht herumtragen muss – und schon bin ich wieder bei der Herstellung … Zuletzt haben mich die Briefe von Christa Wolf sehr begeistert  deutsche Geschichte in persönlichen und zugleich sehr politischen Briefen. Eine mutige, beeindruckende Frau!

 

Alle hier im Beitrag gezeigten Umschläge sind von Ute Fahlenbock gestaltet und im Jüdischen Verlag veröffentlicht.
Lydia Zimmer dankt Ute Fahlenbock herzlich für das offene und ausführliche Interview!
Mehr lesen über den Suhrkamp Verlag, den Insel Verlag und den Jüdischen Verlag.

 

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