Papier

Papier spricht alle unsere Sinne an

Papier hat einen festen Platz in unserem Alltag: im Büro, in Badezimmern und Bücherregalen. Dennoch wird selten ein Gedanke daran verschwendet. Doch es gibt sie, die Papierliebhaber und -kennerinnen. Papier spricht alle unsere Sinne an. Viele Lesende weigern sich aufgrund der fehlenden Sinnlichkeit, einen E-Book-Reader zu verwenden.
Jana Görsdorf, Expertin für Buchherstellung in Basel, versteht das gut.

Glanz gleich Gloria?

Auf die Frage, ob mattes oder glänzendes Papier für ein Buch besser sei, antwortet sie differenziert: Das hänge vom Buch- und Ausstattungskonzept ab. Mattes Papier eigne sich besser zum Lesen längerer Texte; es spiegelt nicht das Tages- oder Leselicht. «Möchte man etwas gestochen scharf betrachten, empfiehlt sich glänzendes Papier», erklärt sie. «Dieses hat durch einen sogenannten Strich eine geschlossene Oberfläche. Daher dringt die Farbe weniger stark in die Papierporen ein, wodurch das Bild brillanter wirkt. Ungestrichene Papiere haben diese ‚Versiegelung‘ nicht. Die meisten Romane werden auf ungestrichenem Papier gedruckt. Die Farbe verbleibt nicht nur an der Oberfläche, sondern dringt in das Papier ein, und das Bild ‚verschwimmt‘ leicht.»

Warum altert Papier?

Es besteht aus Holzfasern, und das darin enthaltene Lignin führt bei holzhaltigen Papieren zur Vergilbung (z.B. bei Zeitungen), erzählt Jana Görsdorf. ‚Holzfreie‘ Papiere werden auch aus Holz hergestellt, aber im Produktionsprozess so weit aufgespalten, bis nur noch die Zellulosefaser ohne das Lignin übrigbleibt. Als holzfrei gelten Papiere mit maximal fünf Prozent Holzstoff-Anteil.

Holz und Wasser – der Herstellungsprozess

Im Durchschnitt werden für eine Tonne Papier drei Tonnen Holz verbraucht. Ein Fünftel aller gefällten Bäume verwendet man für die Papierherstellung. Doch der Holzverbrauch ist nicht die einzige Herausforderung in Sachen Umweltschutz. Auch wenn der Papierverbrauch im digitalen Zeitalter konstant bleibt, ist der hohe Wasserverbrauch bei der Papierproduktion ein Problem: ein Kilo Papier benötigt etwa 70 Liter Wasser.

Bei Recyclingpapier können freilich bis zu 90 Prozent Wasser eingespart werden. Diskutiert wird auch das papierlose Büro, die rein elektronische Ablage. Doch auf Eselsohren in Büchern, das Rascheln beim Umblättern und die besondere Haptik beim Lesen möchten wir ungern verzichten, oder?!

Nun zwei Fragen an Sie:
Nutzen Sie Recyclingpapier? Lesen Sie auf dem E-Reader?
Schreiben Sie mir in den Kommentaren. Ich freue mich!

Dieser Text wurde veröffentlicht als Kolumne in der Programmzeitung Basel, September 2016.

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