Cover

Cover spielen eben doch eine Rolle

Bücher haben eines gemeinsam: Alle brauchen ein Gesicht. Warum? Um Ihnen einen ersten Eindruck zu geben, worauf Sie sich da einlassen. Ein Buchdesigner gibt dem Inhalt eine äusserliche Form. Er achtet nicht nur auf die gute und eindeutige Lesbarkeit des Titels aus zwei Metern Entfernung. Das Cover ist ein Teil der Geschichte, ein Repräsentant von Form und Inhalt.

Im Wandel

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts bekam der Lesende seine Buchbögen noch lose geliefert; er war für die Bindung selbst verantwortlich. So konnten reiche Buchbesitzer ihre Bücher in Leder binden lassen, während einfachere Menschen die günstigeren Leinenbände bevorzugten. Später schütze ein einfacher Papierumschlag, mit schwarzer Schrift bedruckt, vor allem vor Verschmutzung. 1927 ist Karl Robert Langewiesche „der Erfinder des modernen Buchumschlags“ mit seinen „Blauen Büchern“. Dann folgte der Wandel zum abnehmbaren Schutzumschlag. Dieser ist heute dank der PET-Folien eigentlich gar nicht mehr nötig, wirkt aber hochwertiger. Erst in den 50

er-Jahren wurde das Cover werbewirksam genutzt und sollte zum Kauf verführen. Mit Cover ist oft nur die Vorderseite eines Buches gemeint. Bei einigen Werken ist der Name des Schriftstellers, z. B. Shakespeare, so vielsagend, dass auf ein Cover auf eine Gestaltung mit Bilden verzichtet wird.

Vogelschwarm

Titelhelden

Die sorgfältige Balance von Bild, Schrift und Farbe, deren Intensität und Anordnung sollten dem Inhalt entsprechen und sich vom Rest der Neuerscheinungen abheben. Doch was einmal Erfolg hatte, wird gerne kopiert. Heute hat eine Vielzahl von Büchern ähnliche Umschläge, die allgegenwärtig zu Hunderten in den Regalen stehen: Frau an Baum gelehnt, erotische Blütenkelche, fliegende Vögel am Horizont.

Die Verantwortung der Buchdesigner ist dreigeteilt: gegenüber den Lesenden, dem Verlag und vor allem der Verfasserin oder dem Autor. Das Buch muss sich selbst repräsentieren. Das alleinige Ziel ist, dass Sie es ansehen und sagen: «Wow! Ich muss das einfach lesen!» Im besten

Fall lädt es zur Erforschung, Interaktion, Abwägung und Berührung ein. Ein Buchumschlag ist ein Destillat, ggf. eine Kürzestversion der Geschichte.

Cover

Zeitgeist, Mode, Trend

Das Cover ist zugleich ein ästhetischer Spiegel der Gesellschaft und deren Veränderungen; es beschreibt Zeitgeist, Moden und Trends. Es ist aber auch eine Art Visitenkarte für den Verlag, denn Umschlaggestaltung und Cover sorgen für die Wiedererkennbarkeit eines Verlags. Profil macht Profit. So schreibt der deutsche Buch- und Mediengestalter Rainer Groothuis über Diogenes: «Die Nivea-Dose unter den Verlagen (…) hat sich mit den runden Ecken ins Gedächtnis eingegraben – bei Buchhändlern wie Lesenden». Im besten Fall spiegeln sich so – im Gegensatz zu E-Books – auf einem Cover Tradition, eine sinnliche Erfahrung, der Komfort des Ding-Seins – ein kleines bisschen Menschlichkeit.

Achten Sie doch ab sofort mehr auf die verschiedenen Designs im Buchladen.
Welches Cover gefällt Ihnen? Was spricht Sie an?
Schreiben Sie mir in den Kommentaren 🙂

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