Dänische Autoren

Dieses Jahr arbeite ich sechs Wochen in einem Co-Working, einer Bürogemeinschaft, in Dänemark. Für mich liegt hier die Frage nah: Welche dänischen Autoren lese ich während meines Aufenthaltes? Und welche dänischen Autoren werden von den Kollegen gelesen und empfohlen? Bei einer gemeinsamen Mittags- und Kuchenpause fragte ich nach und bekam überraschende Antworten! Und ich habe wieder etwas gelernt …

Svend Åge Madsen

Mikael beginnt. Er liest Svend Åge Madsen. Dessen Werke wurden in mehrere Sprachen übersetzt, auch ins Deutsche. Er gilt heute als einer der bedeutendsten und meistgelesenen dänischen Autoren der Gegenwart. Mikaels Empfehlung, die ich gerne weitergebe, ist der Roman «Sieben Generationen Wahnsinn», welcher bereits vor mehr als 20 Jahren beim Schweizer Amman Verlag erschienen ist. Eine Taschenbuchausgabe von 2002 ist im Handel erhältlich. Die FAZ schrieb über das Buch: „Ein Weltroman aus Aarhus, ein Meisterstück aus Svend Age Madsens Manufaktur.“ Ich habe mir den Roman sofort bestellt und freue mich auf die Lektüre.

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Carl Valdemar Jussi Henry Adler-Olsen

Wer gerne Krimis liest, ist bei Jussi Adler-Olsen* sehr gut aufgehoben. Meine Kollegin Elisabeth hat alles von ihm gelesen. Carl Valdemar Jussi Henry Adler-Olsen ist in Kopenhagen geboren. Seine Bücher wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt – mit einer Gesamtauflage von gut 10 Millionen Exemplaren. Mit seiner Serie um den Kommissar Carl Mørck vom Sonderdezernat Q, gilt Adler-Olsen als bestverkaufter dänischer Krimiautor. Zudem schrieb er aber eine lange Reihe von Kurzgeschichten, Romanen und Theaterstücken. Ein Glück für mich, da ich kaum Krimis lese. Jussi Adler-Olsen: Ein Name, den sich nicht nur Kriminfans merken sollten!

Morten Sabroe

Kim liest Morten Sabroe. Ihn kannte ich nicht. Und gelesen habe ich auch noch nichts von ihm, denn Übersetzungen liegen nicht vor. Doch ich habe recherchiert – und bei der NZZ etwas ganz Kleines über ihn gefunden. Erotische Literatur ist auch in Dänemark auf dem Vormarsch, dem Land, das als erstes auf der Welt die Pornografie zuliess. Morten Sabroe, 66, nimmt dazu auf ganz eigene satirische Art Stellung. Er schrieb „(…) mit ‚Libido’ eine schmissige Satire, manche sagen: eine männliche Version des Globalsellers ‚Shades of Grey’. Dass Sabroes leicht sentimentale ‚Viagraliteratur’, wie es eine Rezensentin nannte, neue Einsichten für die allgemeine Debatte über ‚Geschlechterrollen, Feminismus und kleinegrosse Männeregos’ bereithält, darf bezweifelt werden.“ Vielleicht ist es nicht schlimm, dass ich noch nichts vom ihm gelesen habe …

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Jakob Ejersbo

Alle Augen richten sich am Tisch auf Martin, den Deutschlehrer, als er an der Reihe mit einer Empfehlung ist. Sein Tipp ist der jung verstorbene dänische Autor Jakob Ejersbo*. Seine Biografie ist so spannend, dass ich hier genauer darauf eingehen möchte.
Ejersbo wuchs an verschiedenen Orten in Dänemark und in Tansania auf. Seinem Schulabschluss 1988 folgten einige unruhige Jahre, in denen er verschiedenste Gelegenheitsjobs annahm und sehr kurz studierte. Er beendete 1995 eine Ausbildung an der Dänischen Journalistenhochschule (Danmarks Journalisthøjskole) in Aarhus. In den folgenden Jahren arbeitete er für Rundfunkstationen und für die Tageszeitung Aktuelt.
1998 gab Jakob Ejersbo gemeinsam mit seinem Freund Morten Alsinger sein erstes belletristisches Werk, den Briefroman Fuga, heraus. Für seinen Erzählband „Superego“ fand er erst keinen Verlag. Doch er wurde später vom renommierten und grössten dänischen Verlagshaus Gyldendal publiziert und erhielt viele positive Besprechungen.

Bekannt wurde Ejersbo 2002 mit dem mehr als 400 Seiten starken Roman „Nordkraft“, der im Milieu von Kleinkriminellen, Dealern und Drogenabhängigen in Aalborg spielt. Es erzählt in drei Abschnitten mit drei verschiedenen Erzählern von Kindern der 1968er-Generation, die die Ideale ihrer Eltern nicht mehr teilen und sich weigern, erwachsen zu werden. Der Lesende erkennt in den drastisch und ungeschminkt geschilderten Biografien die sorgfältige Recherche des ausgebildeten Journalisten.
Dänische Rezensenten lobten die Authentizität des Romans – ein Grund ist sicher die mit Slang durchwirkte Sprache. In Dänemark erreichte „Nordkraft“ eine ungewöhnlich hohe Auflage (mehr als 100.000 Exemplare) und wurde ausgezeichnet. Das Buch wurde ins Deutsche übersetzt.
Als Ejersbo 2008 nach längerem Krebsleiden starb, hinterliess er mehrere Manuskripte, darunter eine fast vollendete, 700 Seiten lange Romantrilogie, die 2009 in Dänemark veröffentlicht und ebenfalls ins Deutsche übersetzt wurde. Hier werden deutschsprachige Leserinnen und Leser also ausgiebig fündig!

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Und dann fragten Sie mich:
Was hätte ich gelesen? Was kann ich empfehlen?

Yahya Hassan

In den internationalen Zeitungen haben wir 2013 viel über den Lyriker Yahya Hassan gelesen. 2013 erschien sein Gedichtband „Yahya Hassan: Digte (Gedichte)*“. Dies ist mit mehr als 100.000 Exemplaren die meistverkaufte Gedichtsammlung eines Debütanten in der Geschichte der dänischen Literatur. In den internationalen Medien erhielt Hassan viel Aufmerksamkeit, da seine Gedichte politisch sind und sich mit Hassans Migrationshintergrund und bestimmten Einwandermilieus auseinandersetzt. Die Literaturkritik wertet das Buch jedoch als eindeutig literarisch. Überzeugen Sie sich selbst; das Buch ist auf Deutsch erhältlich.

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Helle Helle

Zudem habe ich ein Buch von Helle Helle gelesen. Endlich eine dänische Autorin, die auf Deutsch übersetzt vorliegt, dachte ich, als ich das Buch „Färseninsel*“ in die Hände bekam. Die Autorin veröffentlichte bereits eine Vielzahl an Romanen und Kinderbüchern. Einige liegen auch in Übersetzung vor. „Färseninsel“ hat einen ganz eigenen Ton, der zu den langen Winternächten und der einsamen Naturlandschaft passt. Ich empfehle, das Buch mit Blick ins Weite in einem kleinen Dorf zu lesen!

Peter Høeg

Und natürlich sollten Sie Peter Høeg lesen! Nach seinem Mega-Erfolg „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ erschien 2015 nach 23 Jahren das neue Buch „Der Susan-Effekt*“. Peter Høeg ist der im Ausland bekannteste dänische Autor, wozu sicherlich auch die Verfilmung des Romans beigetragen hat. Hier finden Sie also meine dringende Leseempfehlung – egal wann, egal wo.

Kennen Sie dänische Autorinnen oder Autoren?
Welches Buch empfehlen Sie mir?
Ich freue mich auf Ihre Rückmeldungen in den Kommentaren.

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