Container

Containerschiffe – Logistik der Bücher

Patrick Schneebeli berichtet für Sie ab sofort einmal im Monat in diesem Blog.
Heute schreibt er über die Bedeutsamkeit von Containerschiffen in der Welt der Bücher.

Containerschiffe sind grossartig. Bis gegen 400 Meter lang und 60 Meter breit, fast ebenso hoch und viele zehntausend Tonnen schwer, von gewaltigen, haushohen Motoren angetrieben. Beladen mit allen Gütern, die man sich nur denken kann – auch Bücher.

Von nur zwei Duzend Menschen werden sie mit Hilfe raffinierter Technik und mit ihrer Ladung von bis 18.000 Containern über die Meere geführt. Tausende davon sind täglich unterwegs rund um die Erde, von Hafen zu Hafen, von Kontinent zu Kontinent. Jedes mit einem kleinen Teil der Millionen Container an Bord, die weltweit im Umlauf sind. Riesig und bunt. Fantastisch.

Manche habe nette Namen, Emma Maersk zum Beispiel oder MOL Destiny. Alle paar Tage legen sie in einem Hafen für einige Stunden an, manchmal auch einen ganzen Tag lang. Riesenkräne löschen in atemberaubendem Tempo Hunderte Container von den Schiffen und laden vielleicht noch mehr neue wieder auf, die von ausserirdisch aussehenden Fahrzeugen zu Zwischenlagerplätzen hinter dem Quai gebracht oder von dort herangeholt werden. Jeder Container hat seinen genau berechneten Platz auf dem Schiff, damit es auch richtig im Wasser liegt. – Ich liebe Containerschiffe. Vielleicht werde ich in meinem nächsten Leben Containerschiff-Kapitän.

Schiff

Scheidegger & Speiss auf hoher See

Warum ich Ihnen davon vorschwärme? Weil ich alle paar Wochen ein ganz klein wenig Teil von dieser faszinierenden Frachtschifffahrtswelt bin. Dann nämlich, wenn ich bei der AVA eine neue Lagerverschiebung an unsere US-Auslieferung in Auftrag gebe, und schliesslich auf einem Containerschiff, in einem Container voller Bücher auch einige Paletten mit unseren Titeln über den Atlantik fahren. Von Felixstowe nach New York. Zum Beispiel auf der MOL Destiny.

Per Lastwagen sind die Paletten von der AVA nach Basildon in England, ins Lagerhaus von Magnum Book Services gekommen, wo sie zusammen mit denen anderer Verlage in den 40 Fuss-Container geladen werden: 12,032 x 2,352 x 2,393 Meter, 67,7 m3 Raum. Der wird dann wieder auf der Strasse zum Hafen von Felixstowe gebracht und dort – schwups! hoch und über das Schiff, krach! runter auf das Deck oder in den Laderaum – auf das Schiff geladen, vom Riesenkran, als ob es eine Schuhschachtel wäre. Dann geht’s aufs Meer und – nach Zwischenhalt in Bremerhaven – hinüber nach New York. Zusammen mit Schuhen, Schrauben, Schokolade, Schweppes, alles auf dem einen Schiff. Vielleicht durch einen Orkan, heulende Winde und meterhohe Wellen, das Schiff stampft und rollt, alle sind seekrank. Vielleich bei sonnigem Wetter und ruhiger See, leuchtende Sonnenuntergänge und springende Delfine neben dem Schiff. Das letzte Stück der Reise dann wieder «by truck» auf der Strasse. Bis unsere Bücher in 11030 South Langley Avenue im Süden Chicagos vom Lastwagen geholt werden, ist MOL Destiny längst wieder auf See Richtung Rotterdam, mit 4.250 Containern an Bord (so viele kann sie aufnehmen, laut www.vesseltracker.com).

Logistik

Für 90 Rappen pro Kilo von Affoltern nach Chicago

Magnum Book Services macht nichts anderes als grosse Mengen Bücher um die Welt spedieren, und hat unter anderem alle zwei Wochen einen Stellplatz auf einem Schiff Felixstowe – New York gebucht. Je voller der Container, desto günstiger ist der Transport für uns. Wir könnten das sogar online im Voraus prüfen, wer alles zu einem bestimmten Termin Ware zu schicken hat, und einen möglichst vollen Container anstreben. Aber dieser Weg kostet an sich schon wenig: knapp 90 Rappen pro Kilo hat neulich eine 1,263 Tonnen-Sendung Affoltern – Chicago gekostet.

Wenn wir nur E-Books machten, spielten Containerschiffe in meinem Berufsleben überhaupt keine Rolle. Das würde ich sehr bedauern. Auch hätte ich Colin, den Geschäftsführer von Magnum Book Services, und Mike, seinen gutgelaunten Disponenten mit dem schwerverständlichen Cockney-Englisch, nicht kennengelernt. Ich könnte mir von Colin nicht die simple Rechnung der Frachtversicherung erklären lassen und mich mit ihm auf der Buchmesse nicht über Fabian Cancellara, Sir Bradley Wiggins und das Velofahren an sich unterhalten. Ich würde mich nur durch Web-Plattformen klicken und Dateien hochladen stattdessen. Wie langweilig.

Autor

 

Schiff ahoi!
Ihr Patrick Schneebeli

 

Patrick Schneebeli ist Vertriebsleiter der Verlage Scheidegger & Spiess und Park Books in Zürich. Dieser Beitrag wurde in der Zeitschrift vom Schweizer Buchhändler- und Verlegerverband (SBVV) „Schweizer Buchhandel“ veröffentlicht. Lydia Zimmer dankt dem SBVV und Patrick Schneebeli.

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