Buchmesse

Buchmessen

Patrick Schneebeli berichtet wieder für Sie.

Ich liebe Buchmessen. Der Blick darauf ist also durch meine Schwäche für solche Anlässe verklärt. Ich bin in die Buchindustrie gegangen, weil ich Bücher als solche mag – zu allem, was einen interessieren kann, gibt es Bücher, aus allen Ländern der Welt. Und an den Buchmessen kommen sie alle an einen Ort: die Bücher; die Menschen, die sie machen und verkaufen; die Menschen, die Bücher kaufen und lesen, rezensieren, gestalten, drucken, in E-Books konvertieren, was auch immer. Es ist wie das Glashaus eines botanischen Gartens, das viele Arten und Gattungen unter besonderen klimatischen Bedingungen versammelt. Ein ganz hervorragender Ort also für bibliomane Zeitgenossen.

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Lohnend?

Ich liebe Buchmessen. Die Buchmesse in Frankfurt genau so wie die Leipziger. Jene in London sowieso, aus sentimentalen ebenso wie aus professionellen Gründen. Abu Dhabi 2011 war eine Erfahrung, die BEA in Chicago 2004 eine interessante Variante. Beijing wäre spannend zu sehen. Selbstverständlich stellt sich aber die Frage, ob es sich denn für den Verlag lohnt, an der Buchmesse (jetzt spreche ich nur noch von Frankfurt) teilzunehmen. Das Ganze kostet einen Haufen Geld und braucht viel Zeit. Nicht leicht zu beantworten, zumal es den Verlag nicht gibt (im Gegensatz zu der Buchmesse).

Wie sehr es sich lohnt im Sinne von direkt generierten Einnahmen, die den entsprechenden Kosten gegenüberstehen, ist meist schwer zu messen. Gewiss ist, dass mit jedem Jahr, das ich in dieser Industrie arbeite, ich mit mehr Erfahrung hinfahre, mehr Menschen kenne, neue Erkenntnisse dazugewinne. Jedes Mal kann ich wieder ein Ding mit anderen Ideen oder Projekten neu verknüpfen, weil so viele Partner gleichzeitig am selben Ort sind und man innert Stunden nacheinander – oder gar gleichzeitig mit allen – persönlich sprechen kann. Ich werde von Neuem überrascht, kann mich aber genauso für Altes neu begeistern. Und in der Tat, manchmal schliesse ich Geschäfte ab, die anders nicht zu Stande gekommen wären. Insofern ist es alljährlich eine sehr lohnende Zeit.

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Anachronistisch, obsolet?

Ich liebe Buchmessen. Nun wäre einzuwenden, dass im Zeitalter des E-Books, des Self-publishing und mit der wachsenden Bedeutung von Amazon und seinen alle Bereiche und Schichten unserer Industrie durchdringenden Aktivitäten so etwas wie eine Buchmesse eigentlich anachronistisch ist und bald obsolet wird. Der Stand von Amazon auf der London Book Fair legt jedoch auch die gegenteilige Sicht nahe: das Unternehmen, das so viele Veränderungen dieser Branche antreibt, will dabei sein, da wo sich so viele Mitbewerber und ein Teil der Zielgruppe treffen. Ab und zu ist offenbar auch für den Online-Riesen die direkte Begegnung mit Menschen sinnvoll.

Frankfurt ist Jahr für Jahr eine sehr intensive, anstrengende Zeit. Tage in schlecht klimatisierten Hallen, viel Hektik, Lärm. Danach sind viele erschöpft oder gar krank. Und alles, was im Standbuch und auf dem Tabletcomputer (oder haben Sie auch noch ein schwarzes Notizbuch, so wie ich?) und 100 Zetteln als sofort nach der Messe zu erledigen notiert wurde, harrt noch der Bearbeitung. Aber die Tage in dieser eigenartigen Kunstwelt werden auch dieses Mal eine produktive Auszeit vom Alltag sein, während der sehr konzentriert – und manchmal auch ganz entspannt – der ganze Verlag vorangebracht werden kann. Tagsüber an den Ständen. Abends beim Essen, beim Feiern, beim Zuhören, Reden, Lachen, Absacker Trinken. Und beim Nachdenken vor dem Einschlafen im Hotelbett.

Ich liebe die Buchmesse. Und ich freue mich auf alle Besuche am Stand (Halle 4.1, H545–549).

AutorBis dahin mit schönen Grüssen, Patrick Schneebeli

Patrick Schneebeli ist Vertriebsleiter der Verlage Scheidegger & Spiess und Park Books in Zürich. Dieser Beitrag wurde in der Zeitschrift vom Schweizer Buchhändler- und Verlegerverband (SBVV) „Schweizer Buchhandel“ veröffentlicht. Lydia Zimmer dankt dem SBVV und Patrick Schneebeli.
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